Ich bin so aufgeregt, dass ich kurz davor bin, meine Mutter anzurufen und mich bei ihr zu beschweren – hat schließlich in der ersten Klasse auch immer noch geklappt.

Allerdings bin ich inzwischen 15 Jahre älter und die Probleme, die ich habe,  sind nicht mehr die, die sich mit einer Schlägerei auf dem Schulhof oder der Flucht zu meinem Papa klären lassen. Und eigentlich finde ich das auch ganz gut – wenn es darum geht zu verhandeln, Entscheidungen zu treffen oder für meine Meinung gerade zu stehen. Aber eben für meine. Als Sprecherin der Landes-ASten-Konferenz stehe ich aber nicht nur für meine Meinung, eigentlich habe ich mir vorgenommen von allen Meinungen noch am wenigsten für meine eigene zu kämpfen. Das ist schließlich nicht mein Job. Mein Job ist es, irgendwie mehrere hunderttausend Studierende in ganz Bayern zur vertreten. Einen gigantischen Teil dieser Menschen kenne ich nicht persönlich und werde sie vermutlich auch nie kennen lernen. Und trotzdem soll ich mich da hinstellen und so tun, als wüsste ich, was für sie alle das Beste ist. Weiß ich aber nicht. Genau so wenig, wie ich immer zuverlässig und zu 100% sicher weiß, was für alle Studierenden der Hochschule das Richtige ist. Woher soll ich das auch wissen? Wenn auch nur der ein oder die andere Studierende ein bisschen so ist wie ich, weiß der- oder diejenige ja manchmal selbst nicht was er will.

Und wenn ich es mir jetzt recht überlege, möchte ich eigentlich doch wieder zurück auf den Schulhof.

Nicht weil ich mich nicht auf das freue, was da auf mich zu kommt, oder weil ich keine Lust habe, mich um die Interessen anderer Leute zu kümmern, im Gegenteil! Ich freue mich total auf die nächsten Monate. Aber ich habe Angst davor Fehler zu machen. Dem nicht gerecht zu werden, was man von mir erwartet. Gerade wenn es um die bayernweite Studierendenvertretung geht.

Bei meiner Bewerbung habe ich schon gemerkt, dass der Ton doch ein anderer ist, außerhalb der eigenen Hochschule. Und da war mir schon flau als Andrea mich das erste Mal auf einen Posten im Vorstand loslassen wollte. Glücklicherweise hat sie in dem Moment mehr gesehen als ich und hat mit der nötigen Dringlichkeit dafür gesorgt, dass ich nicht wie ein entsetztes Kaninchen rückwärts wieder aus dem Saal stolpere, in den sie mich gerade geschickt hatte. Sonst wäre ich nicht da wo ich jetzt bin, ein bisschen größer, ein bisschen gestresster, aber vor allem um eine großartige Zeit reicher. Denn egal wie nervös ich bin, wenn ich weiß, dass ich zur Hochschulleitung muss, oder wie gestresst von den Aufgaben, die noch zu erledigen sind, am Ende freue ich mich jedes Mal, wenn sich etwas tut.

Und es ändert sich eben nichts, wenn man es nicht angeht. Also gehe ich es an und wage mich am nächsten Sonntag todesmutig (!) nach Augsburg, um die anstehende LAK zu bestreiten. Ich werde bis dahin noch 1245 mal zweifeln, ob ich nicht vielleicht doch zuhause bleiben sollte, noch 3 mal denken, ich hätte eventuell eine Lebensmittelvergiftung, weil mir nicht gut ist, und bestimmt auch noch 100 mal Constantin fragen, wann genau, was jetzt und wo und überhaupt. Aber am Ende werde ich Sonntag zufrieden nach Hause fahren. Mit der Gewissheit mein Bestes gegeben zu haben und ein kleines bisschen stolz darauf, dass es keine totale Katastrophe gab und ich mich nicht quengelnd in die Ecke gesetzt habe.

Naja, und wenn doch müssen wir eben raus auf den Hof und das auf die altmodische Variante klären. 😉

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Autorin: Jule Klein, Sprecherin der Landes-ASten-Konferenz Bayern